Text-Andacht
Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe! (Matthäus 21,9)
Liebe Menschen unserer Gemeinde, eigentlich feiert die Christenheit der Welt in diesem Jahr in seltener Eintracht ihr wichtigstes Fest, Ostern. Der Mond ist schuld. Denn eigentlich ist die Christenheit mit ihren Terminen gespalten. Und das seit der Spaltung des römischen Reiches in das oströmische Reich, der Mutter der orthodoxen, byzantinischen Christenwelt und dem weströmischen Reich, der Mutter der römisch-katholischen, lateinischen Christenwelt. Das ist großzügig gerechnet 1700 Jahre her und prägt unsere Welt bis heute. Und da Ostkirche und Westkirche sich vor Jahrhunderten für unterschiedliche Kalender entschieden, liegen beide Kirchen auch kalendarisch 2 Wochen auseinander, so dass wir die großen Kirchenfeste meistens getrennt feiern. Nur in diesem Jahr eben nicht. Denn der Ostersonntag ist immer der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsbeginn. Und Frühlingsbeginn ist am 20. März, der erste Vollmond in diesem Jahr ist aber erst am 13 April. Und das ist so viel später, dass auch in der Orthodoxie, die 2 Wochen versetzt ist, das der erste Vollmond nach Frühlingsbeginn ist. Also – eigentlich gibt uns der Mond die seltene Gelegenheit, gemeinsam mit Lust, Freude und großer gemeinsamer Leidenschaft zu feiern, dass unser Gott den Tod besiegt. Eigentlich. Wäre da nicht der Krieg in der Ukraine. Denn die russisch-orthodoxe Kirche, die größte der orthodoxen Kirchen, steht als treue Staatskirche seit 3 Jahren an der Seite Putins und rechtfertigt seinen Angriff auf die Ukraine. Und der Papst sagt lieber nichts, um die eh schlechte Stimmung zwischen Orthodoxie und römisch-katholischer Kirche nicht noch schlechter werden zu lassen. Denn sie streiten bis heute, welche die „wahre“ Mutter Kirche ist, die mit dem Papst in Rom oder die mit dem Papst in Byzanz/Konstantinopel/Istanbul, den gibt es nämlich auch. Und so schreien die Toten dieses Krieges gen Himmel und klagen diese Welt an. Und in allen christlichen Kirchen wird am Palmsonntag, dem 13. April, auf den in diesem Jahr der Vollmond fällt, mit dem Einzug Jesu in Jerusalem gefeiert, dass wir Christenmenschen nur noch einen als König herrschen lassen sollen: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn!
Wir sind nicht das Reich Gottes. Waren wir noch nie. Wir sollten Gott dringend bitten, dass er uns trotzdem nicht aufgibt. Und vertrauen wir darauf, dass er die Menschen auffängt, die wir im Wahnsinn dieser Welt unnötig sterben lassen. „Frieden sei im Himmel und Ehre in der Höhe!“, rufen die Menschen beim Einzug Jesu in Jerusalem. Beten wir, dass Gott uns diese Tür zu seinem Frieden nicht zuschlägt. Beten wir, dass der Vollmond es in diesem Jahr in alle Finsternis hineinstrahlt: FRIEDEN. Beten wir, dass die christlichen Kirchen dieser Welt Christus wichtiger nehmen als sich selbst. Er hat den Schlüssel, der aus Tod und Hölle befreit, das bekennen wir jedes Jahr zu Ostern – in allen Kirchen, in diesem Jahr tatsächlich am selben Tag. Das wäre mal wirklich ein Osterwunder, wenn das gleichzeitige Bekenntnis zur Auferstehung Jesu von den Toten die christliche Welt zu einem Aufstand bringt gegen die Höllen dieser Welt, die so viel Tod bringen. Wir sind sehr, sehr viele. Wenn wir wollen, sind wir eine Macht. Alles könnte so schön sein.
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Osterfest, Ihr Jörg Wolke.
Kontakt
ERLÖSERKIRCHE HÖHENBERG VINGST
Burg-/Schulstraße
51103 Köln
Pfarrer: Jörg Wolke
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